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Diese Seite wurde am 08.02.2008 geändert.
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Halbinsel Kola – der zweite Versuch

aufgeschrieben von Christian Böttger > Link zur Bildergalerie
Mal wieder trieb es mich im Sommer nach Russland. Und wieder will ich gerne diesen herrlich Herbst im Norden einfangen, wofür sich die Halbinsel Kola bei Murmansk bestens anbietet. Diesmal allerdings reise ich nicht mit Micha, er hat gerade ein Auslandssemester in St. Petersburg mit seiner Freundin Regina begonnen, sondern mit Christoph Hochmuth, genannt auch Schwamm. Nachdem ich für eine kurze Woche in Deutschland war, reisen wir am Freitag, den 13. September, oh welch ein Tag, mit dem Zug in Richtung Polen ab. Auf unserem Reiseplan der Deutschen Bahn ist eine 98-stündige Reise von Dresden über Warschau, Vilnius, St Petersburg nach Murmansk angegeben.

Ein Zurücklehnen für längere Zeit ist angesagt. Doch halt, zurücklehnen gilt es nur für die vielen Momente der Zugfahrt, allerdings nicht für die Momente des Umsteigens. Zu erwähnen ist auch noch einmal unser Gepäck, bestehend aus einem 250 Liter Kanurucksack mit angebändelten Bootswagen sowie 2 Kerle mit einsprechend riesigen Rucksäcken für 4 Wochen Outdoor-Urlaub. Dies wird uns fast zu Verhängnis bei der knappsten Umsteigezeit in Warschau von genau 10 Minuten. Natürlich hat der Zug alleine schon 5 Minuten Verspätung. Zu aller Freude stehen vor dem Nachtzug nach Vilnius Massen von Leuten die in die Liegewagen wollen. Wir entscheiden ad hoc den Schlafwagen aufzusuchen, um einfach Ärger mit dem riesigen Gepäck aus dem Weg zu gehen. Dort werden wir fürstlich bedient, zahlen allerdings auch fürstliche 40€. Als kleine Entschädigung gibt es allerdings 2 interessante Nachbarn aus Chicago. Sie sind schon den ganzen Sommer mit dem Rad unterwegs und wollen die Erde umrunden. Ihr nächstes Ziel ist China.

Zusammen steigen wir im verregneten Vilnius aus und warten auf den Zug nach St. Petersburg der erst 6 Stunden später fährt. Der Zufall will es, treffen wir eine Gruppe von FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr)’lern aus Dresden und anderen Teilen Deutschlands die ebenfalls nach St. Petersburg wollen. Gemeinsam mit ihnen reisen wir im nun schon mittlerweile russischen Wagon nach Pieter (St. Petersburg). Das gibt natürlich einen riesigen Spaß bis spät in die Nacht beim langsamen Geruckel des Zuges gen Norden.

Am Morgen erreichen wir Pieter und werden von Regina und Micha abgeholt. Wir haben den ganzen Tag Aufenthalt und wollen mit ihnen etwas schwatzen und durch die Stadt schlendern. Kurz die Sache im Wohnheim abgestellt und ab geht die Post mit der U-Bahn in das Zentrum. Viel Zeit bleibt uns nicht und auch das Wetter ist nicht sehr einladend. Wir schauen auf dem Panzerkreuzer Aurora, wo ja bekanntlich der Revolutionsstartschuss gegeben wurde, flanieren auf dem Nevskij Prospekt und besichtigen die alte Stadtfestung.

Abends dann, genauer gesagt 1:30 rollt langsam unser Zug nach Murmansk aus dem Moskauer Bahnhof aus. Nun geht es richtig in den Norden. Ganze 28 Stunden Fahrt beträgt diese Reise. Dabei richtet man es sich so richtig bequem in seinem Segment ein, holt immer mal wieder frisches heißes Wasser aus dem Bordsamowar um den gerade an der Bahnsteigkante erworbenen Keks standesgemäß zu verdrücken. Nach 2 Nächten im Zug kommen wir früh in Murmansk an. Mit Entsetzen stellen wir an der Temperaturanzeige die einstellige Zahl von 6°C fest, und das mitten im September.

Gut, zuerst wollen wir uns nach einem fortkommen von der Mündung des Ponoi in das Weiße Meer umschauen. Unser erster Anlaufpunkt ist der Hafen. Prompt liegt auch das entsprechende Schiff, welches die ganze Küste abfährt vor Anker. Doch auch das nützt uns nichts, da wir feststellen müssen, dass ab Oktober, und da wollen wir in Ponoi ankommen, das Schiff nicht mehr fährt. Dumm, aber der Fahrplan sagt das deutlich aus. Unsere zweite Möglichkeit besteht nun mit einem Flugzeug oder Hubschrauber von dort hinten abgeholt zu werden. Dazu fahren wir zum Flughafen von Murmansk. Obwohl wir sogar eine englisch-sprechende Person auftreiben können bietet man uns nur eine komplette Tour mit Guide und Hubschrauber zu sicherlich utopischen Preisen an. Diese Ausgangslage versetzt uns nicht gerade in Jubel, aber wir werden mal sehen wie weit man kommt, ohne sich den Rückweg abzuschneiden.

Am Abend geht es nun gleich wieder mit dem Zug zurück nach Apatity. Nach einer gigantischen Nacht im Bahnhof auf unserem Gepäck setzen wir uns am Morgen mit dem Linienbus weiter ins Inland nach Kirosk in Bewegung. Von Kirovsk aus wollen wir mit dem nächsten Bus nach Oktjabriskij, den wirklich letzten zivilisierten Ort fahren. Doch leider fährt dieser Bus erst am Nachmittag, was Schwamm und mich zum Warten nötigt. Und das bei tendenziell immer schlechter werdenden Wetter. Es fängt bei 4°C leicht an zu schneien, es windet und nirgends ist eine Bar aufzutreiben, wo wir den Vormittag über warten könnten. Als letzte Wahl vor dem erfrieren quartieren wir uns im Foyer des ansässigen Hotels ein.

Nachmittags schaukeln wir dann mit einem kleinen Linienbus übers Land nach Oktjabriskij. Dort ausgeschüttet tanken wir noch ein letztes Stück Brot und Wasser, bevor sich einer von uns vor den Bootswagen spannt und losläuft. Wir laufen noch etliche Kilometer bis in den Abend hinein. Irgendwo in der Tundra bauen wir dann das Zelt auf. Doch horch, da kommt ein Auto aus der Ferne in Richtung unseres Ziels. Also renne ich nach einer Aufforderung von Schwamm schnell runter zum Weg und frage den UAZ - Jeep - Fahrer nach seinem Ziel. Es liegt genau dort, wo auch unser nächster großer Zielpunkt, Kilometer 82 liegt. Ratz Fatz ist das Zelt wieder abgebaut und unsere Rucksäcke im Fond des 30 Jahre alten UAZ verstaut. Es sind noch etwas über 30 km die wir nun fast im finstern über den ausgebauten Trampelpfad düsen. Doch Wladislaw ist ein begnadeter Rallyefahrer bester Sorte. Gegen 22 Uhr treffen wir im Camp seiner beiden Freunde, nahe Kilometer 82 ein. Die 3 verbringen hier ihre Ferien um Fische zu fangen und um nahe der Natur zu sein. Noch am Abend wird die Tasse mit Wodka hochgehalten, der panierte Fisch geschlemmert und sich kräftig unterhalten. Spät nach Mitternacht fallen wir in unser Zelt und schlafen so richtig gut weg.

Den nächsten Tag sind die 3 Russen schon auf den Beinen, besser gesagt im Schlauchboot um ihre Reusen einzuholen. Wir machen uns selber auf den Weg um unser Glück mit der Angel zu bemühen. Das Wetter hat sich zum besseren gewendet, hilft uns allerdings nicht beim erfolgreichen Angeln eines Fisches. So gehen wir unverrichteter Dinge wieder zurück zum Zelt. Den Nachmittag nutzen wir, indem wir zu dem besagten Kilometer 82 laufen, allerdings ohne Gepäck. Kilometer 82 ist eine Telefonstation, wo ein Techniker samt Familie zur Pflege der Anlagen wohnt. Wir wollen uns dort nach Weiterkommens Möglichkeiten erkundigen. Da ich schon letztes Jahr hier war kannten sie uns noch sehr gut. Wir zeigen ein paar mitgebrachte Bilder aus Deutschland und erfahren nützliche News über den Verkehr in Richtung Krasnoschtschelje. Leider fahren dieses Jahr nicht so viele LKWs in Richtung Krasnoschtschelje wie letztes Jahr, da die Geologen zur Zeit auf Sparflamme erkunden. Genauso meint sie, dass es Flüge von Krasnoschtschelje nach Lovozero gibt. Allerdings kann sie nichts über die Preise sagen. Von der Mündung des Ponoi, meint sie gibt es keine Anbindung. Uns wäre faktisch der Rückweg dort hinten abgeschnitten. Ebenso könnten wir mächtig über das Ohr gehauen werden, wenn wir einmal dort hinten um jeden Preis wieder nach vorn müssten. Doch meint sie, dass heute abend noch jemand mit einem Jeep vorbeikommt um einen anderen Jeep, der bei Kilometer 107 steckengeblieben ist rauszuziehen. Das wollen wir natürlich nutzen um weiter auf die Halbinsel zu gelangen. Wir packen also unser Gepäck und stellen uns an den Weg.

Wir entfachen wird ein Feuer und stellen ein „Bitte Stop“ –Schild auf. Gegen 22 Uhr hält ein neuerer UAZ aus dem 2 Jungs entspringen. Sie wirken eher stadtfein als geländefähig. Wir denken uns schon unseren Teil über die nun folgenden 30 km schwerstes Gelände mitten in der Nacht. Doch weit kommen wir gar nicht erst. Gleich bei der Brücke über den Fluss rutscht der UAZ von der Fahrspur auf der Brücke direkt in eine riesige Krampe hinein. Wir kommen noch etwa 100 Meter, bevor es eine ordentliche Knallpanne gibt. Bei Mond und Feuerschein tauschen wir das Ersatzrad inmitten von Tundra. Trotz dieser langwierigen Panne wollen die beiden noch weiter fahren. Glücklicherweise sehen sie dann nach der Passage der zweiten knietiefen Pfütze ein, das einfach kein risikofreies durchkommen mehr möglich ist. Wir kehren um und erreichen nach Mitternacht Kilometer 82. Hier quartieren wir beide uns in den vorrätigen Wohnschlitten ein, wobei die beiden Jungs zurück nach Apatity fahren um morgen mit einem größeren Gefährt zurück zu kommen.

Den nächsten Tag schauen wir erst einmal unsere noch verbleibenden Möglichkeiten mit dem Faltboot irgendwo auf der Halbinsel ein zusetzen. Wir haben 3 Varianten. Die Erste lautet trotz Warnung nach Krasnoschtschelje fahren und dort in den Ponoi einsetzen und zur Mündung ins Meer paddeln. Die Zweite ist über ein kleines Gebirge nach 10 km Fußmarsch zu dem Fluss Pana/Varzuga zu gelangen und diesen dann ins Weiße Meer an einen besiedelten und angeschlossenen Ort ab zu fahren. Die letzte Möglichkeit ist bei Kilometer 82 in den Zaga ein zusetzen und ans Eismeer fahren. Wir entscheiden uns für die zweite Variante über das Gebirge zum Fluss Pana zu gelangen.

Am frühen Nachmittag fährt dann ein sechsachsiger KAMAZ mit Geländeaufbockung vor. Bei strahlendem Sonnenschein steigen wir in den Mannschaftsaufbau und verzurren das Gepäck. Uns stehen knapp 30 km im ungefederten Aufbau auf schlimmster Strecke bevor. Mit etlichen Krämpfen im ganzem Leib erreichen wir Kilometer 107. Hier finden wir einen der beiden Jeepfahrer, der andere war ja zu uns vorgelaufen gekommen um uns zu informieren, welcher es sich schon ziemlich gemütlich eingerichtet hat. Für den KAMAZ ist es natürlich kein Problem den UAZ aus dem ca. 1m tiefen Wasser zu ziehen. Doch schon bei den ersten Startversuchen des UAZ stellen wir Wasser im Öl fest. Also, was macht der schlaue Russe: er nimmt seinen Campingtopf, stellt ihn unter die Ölwanne und öffnet den Verschluss. Eine braune, eher an Schlamm erinnernde Brühe läuft aus dem Motor. Irgendwie muss das nun wieder zu Öl gemacht werden, denn sonst läuft der Wagen nicht. Schon ist die Lötlampe aus dem UAZ geholt und ein passender Ständer um die Flamme unter den Topf umzulenken aus dem KAMAZ gekramt. Man köchelt nun das Wasser-Öl Gemisch um es zu dehydrieren. Es blubbert und macht aber so richtig geht es nicht voran. Mittlerweile wurde allerdings im UAZ und KAMAZ genug neues Öl gefunden um den Jeep damit betriebsfertig zu machen. Nun noch schnell das alte Öl in die Fahrspur entsorgt und mit Sand überstülpt und es geht weiter. Währenddessen haben wir allerdings erfahren, dass das befahren des Pana und der Varzuga zur Zeit auf Strafe untersagt ist, da Schonzeit der Fische ist. So scheidet nun auch Variante 2 aus und müssen gezwungenermaßen zu Variante 3, den Zaga in den See Lovozero abzufahren übergehen. Im herrlichen Abendlicht fahren wir mit dem KAMAZ hinter dem Jeep im exponierten Gelände hinterher. Sie lassen uns wieder bei Kilometer 82 aussteigen und am nächsten Morgen möchten wir mit dem paddeln auf der Zaga starten.

Am nächsten Morgen fallen die ersten richtigen dicken Schneeflocken. Darin bauen wir unser Faltboot auf und setzen es in die Zaga ein. Den ganzen Tag windet und regnet es stark. Kein guter Start für eine Faltboottour. Die Einladung für die Nacht bekommen wir als wir eine alte Hängebrücke passieren. Daneben finden wir eine alte Blechhütte sowie einem Feuerplatz. Schwamm kümmert sich um das Holz währenddessen ich mich wieder einmal beim Angeln versuche. Zu meinem Stolz fange ich sogar einen Fisch für das Abendbrot. Schwamm freut sich, endlich mal einen Fisch selber auszunehmen. Und ich freue mich endlich mal wieder selbstgefangenen Fisch zu verputzen. Den nächsten Tag erreichen wir den See Lovozero. Hier weht es hingegen ziemlich hart von vorn. Unser Ziel ist eine Insel 5 Kilometer direkt gegen die Wellen. Wir kämpfen wie die Männer und erreichen nach über 2 Stunden das eigentliche Zwischenziel. Im Windschatten einmal hingesetzt werden wir träge, und als wir auch noch eine unbewohnte Fischerhütte auffinden ist das Urteil gefällt. Wir richten es uns gemütlich ein und machen einen gepflegten Kaffeeklatsch mit Blick auf den See und heißen Kaffee/Tee sowie Nüssen. Das Abendbrot versüßen wir uns noch durch eine mit Preiselbeeren gesättigte Polenta.

Am Morgen darauf ist es total windstill, keine Sicht und eiskalt. Etwas träge starten wir in den Tag. Doch je älter der Tag wird, desto besser die Sicht. Bis auf einmal die Sonne auftaucht und wir uns genötigt fühlen auf der Bootshaut mit der Aussicht auf die schneebedeckten Berge der Hibinen Sonnenstrahlen zu erhaschen. Das wiederum bringt uns auf die Idee an der nahegelegenen Insel nach einer Hütte zu suchen um pünktlich zum Kaffeeklatsch wieder ein Quartier zu haben. Auch hier haben wir Glück und finden eine kleine Hütte.

Die Hütte ist klein aber praktisch ausgestattet. Es gibt eine hohe Pritsche für 2 Leute, ausgelegt mit Rentierfellen, einen Kochofen, einen Tisch und eine Bank. Die Bank nehmen wir gleich wieder mit raus an den Strand mit Blick auf die Hibinen, trinken einen heißen Tee und Kaffee. So lässt es sich leben, auch wenn wir eigentlich nur eine kleine Ortsveränderung vollzogen haben. Am Abend bekommen wir noch von Viktor und seiner Frau Besuch. Sie habe uns gesehen, sich gefragt was die Paddler hier mitten in der Kälte wollen und sind auf einen Schwatz vorbeigekommen. Es stellt sich heraus, dass Viktors Schwester gerade erst als Russlanddeutsche nach Deutschland ausgewandert ist und er keinen Kontakt zu ihr hat. Anhand ihres Namens und Geburtsjahres bittet er und sie in Deutschland ausfindig zu machen. Ob er da nicht eine falsche Vorstellung der deutschen Gründlichkeit hat! Wohl um diese Anfrage zu unterstützen schenken sie uns noch etliche Fische für das Abendbrot.

Der nächste Morgen sieht leider mal wieder völlig anders aus. Wir haben klare Sicht, Kälte und aber auch ordentlich Wellengang auf dem See. Die Wellen im Rücken paddeln wir weiter in Richtung Norden. Erst auf dem See merken wir so richtig die Wucht der Wellen, auch wenn sie von hinten kommen. Schon nach 5 km weigern wir uns weiter ein Spielball der Wellen zu sein und landen an einer riesigen Landzunge an. Wieder suchen wir das Gelände nach Hütten ab. Bei einem Rentner kommen wir in seiner Fischerhütte unter. Außerdem hat er zur Zeit noch 2 andere Fischer in seiner Unterkunft. Es ist also richtig Betrieb. Von ihm erfahren wir auch 2 Tage verspätet die Bundestagswahlergebnisse aus Deutschland bis ins Detail. Trotz seiner Buschanwesenheit ist er ausgeprägt an der Tagespolitik interessiert. Er hört über Langwelle russischen BBC.

Am Morgen ist es bedeckt und die Wasseroberfläche ist spiegelglatt. Wir schauen uns in verschiedenen Armen des Sees mit seinen Zuflüssen um. Auf einer sehr kleinen Insel landen wir an einer noch kleineren Holzhütte an. Hier wollen wir einen Ruhetag einlegen. Doch aus dem Ruhetag wird nichts, weil am Nachmittag die Besitzer der Hütte eintreffen. Glücklicherweise werden wir sofort verstanden, kein Rauswurf folgt und wir sind natürlich, obwohl es verdammt eng wird herzlich zum Übernachten eingeladen. Sascha und seine beiden Freunde wollen für eine Woche fischen gehen. Gleich darauf legen sie ihre 80 Meter Netze aus. Wie sie wieder zurückkommen muss erst einmal kräftig auf die Tasse gedrückt werden. 3 Wodkaflaschen werden von uns Fünf auf das Gelingen des Fischzuges geleert. Uns geht es nun schon am zeitigen Nachmittag ganz gut. Auf das Erste hilft diese Beschwörung ganz gut. Schon nach 3 Stunden ziehen sie 12 Fische ins Boot. Nun geht das mit dem Zugeproste bis in die späte Nacht hinein. In der Hütte ist es absolut überheizt, einer schnarcht extensiv und zur Krönung gehen sie mitten in der Nacht mehrmalig zur Kochfischsuppe oder zum Rauchen raus.

Wir haben ausgemacht, dass wir am folgenden Tag zusammen mit Sascha und mit seinem Motorboot nach Lovozero zum einkaufen fahren. Ebenso hat er uns zu einer Geburtstagsfeier am Abend in Lovozero mit eingeladen. Wir deponieren also nach der Ankunft in Lovozero unsere Sachen bei Sascha zu Hause. Dort lernen wir auch seine Frau Elena samt Sohn und Katze kennen. Abends kommen wir auf die Geburtstagsfeier zweier Freunde von Sascha mit. In einer typischen Holzhütte ist die Küche ausgeräumt und zur Tanzfläche mit Russenpop umgewandelt worden. Nebenan ist eine riesige Tafel massig Essen aufgestellt worden. Je mehr desto besser. In einem gepflegten Rhythmus wird gegessen, getrunken, geraucht und getanzt. Nachdem es nach 2 Uhr nachts immer noch nicht zuende ging, erbaten wir uns den Schlüssel zu Saschas Wohnung und vielen Tod in den Schlafsack. Am folgenden Mittag ist Sascha soweit ausgenüchtert, dass wir die Reise zurück zur Insel antreten können.

Noch eine Nacht verbringen wir zusammen mit den Drei auf der Insel und seilen uns nachmittags ab. Weit kommen wir nicht mehr, finden aber trotzdem einen kleinen Bauwagen. Am folgenden Tag, den 30. September ist es nun wieder empfindlich kalt geworden. Ziemlich weit kommen wir dadurch an diesem Tag. Wieder finden wir eine Insel mit verlassener Hütte zur Übernachtung. Abends kommt zu unserem Schrecken wieder ein Motorboot angetuckert. Es sind zum Glück nicht die eigentlichen Besitzer, sondern nur Nachbarn denen der Tabak ausgegangen ist. Gegen 3 stattliche Fische tauschen sie Schwamms Reste des Pfeifentabaks aus der Probepackung. Abends wird es dann so richtig kalt und windstill. Beim Zähneputzen entdecken wir zufälligerweise das funkeln des Nordlichts am Himmel.

Als Folge sind am Morgen verschiedene Buchten mit einer Kruste von Eis überzogen. Auch unsere Bucht müssen wir erst einmal Freihacken, bevor wir ablegen können. Der Tag wird wunderschön. Wir schaffen es bis an den Ausfluss des Lovozero in den Fluss Voronya. Wir wollen jetzt nicht mehr weiter flussabwärts fahren, da die Gefahr des Wintereinbruchs in den nächsten Tagen ziemlich nahe steht. Und es sind noch über 100 km bis zum nächsten Zivilisationspunkt an der Voronya. Dennoch haben wir vor einen kleinen verlassenen Ort an einem Seitenfluss der Voronya nicht weit vom Abfluss zu besichtigen. Allerdings ist der kleine Zufluss schon vollständig mit 2-3 cm dicken Eis zugefrorenen. Unverrichteter Dinge drehen wir wieder in Richtung Lovozero um. Den Abend quartieren wir uns wieder in einer kleinen Hütte ein und kommen am darauffolgenden Tag in so richtig schlechtes Wetter. Auf halben Weg nach Lovozero-Ort fängt es richtig ordentlich an zu schneien. Es treibt so stark, dass wir anlanden müssen und das gröbst Unwetter abwarten. Wir irren im Nebel und Schneetreiben bis kurz vor die Kanaleinfahrt nach Lovozero-Ort. Dort sehen wir ein rauchendes Tipi und bekommen eine Einladung vom Bewohner für die Nacht.

Morgens entdecken wir richtig viel Eis auf dem See. Wir müssen noch die 4 Kilometer durch den Kanal nach Lovozero-Ort. Bei Eisgang gar nicht mal so einfach. Dabei praktizieren wir eine ganze Weile folgende Kampftechnik. Schwamm zerschlägt vor dem Bug mit dem Paddel das Eis, währenddessen ich hinten immer Vollgas gebe. Nicht ganz schweißfrei erreichen wir den Ort. Entgegenkommende Motorbootfahrer schütteln nur mit dem Kopf oder richten gar ihre Videokamera auf die blöden Touristen.

Nach der Zerlegung des Faltbootes wieder in seine kompakten Bestandteile kehren wir bei Sascha und Alena ein. Den nächsten Morgen reisen wir mit dem Postbus durch die frisch mit 5 cm bepuderte Taiga nach Olenegorsk. Von dort weiter mit der Bahn nach Murmansk. Nun steht auf dem Programm Åke ein schwedischer Freund von mir und seine russische Freundin Vera zu besuchen. Leider ist Åke zur Zeit in Schweden, so dass wir „nur“ von Vera in das kleine skandinavische Paradies ihrer Wohnung entführt werden. Den nächsten Tag, der 86. Geburtstag von Murmansk wollen wir uns nicht entgehen lassen. Leider bekommen wir nur eine kleine Monumenteinweihung, sowie ein für die Kinder organisiertes Luftballonaufsteigen mit.

Mit dem Zug erreichen wir am 7. Oktober wieder St. Petersburg. Den Weg schon kennend fahren wir zu Michas Studentenbude. Wir haben uns für 2 Tage Stadtbesichtigung angemeldet. Einmal schauen wir uns natürlich die russische Kunstsammlung in der Eremitage an, anderseits besuche ich die Hydrologische Universität von Micha.

Am 9. Oktober abends stehen uns noch 35 Stunden Zugfahrt gen Dresden bevor. Am Morgen des 11. Oktober erreichen wir nach etwa einem Monat wieder Dresden, haben Tausende Kilometer mit der Eisenbahn zurückgelegt und den Winterbeginn in der russischen Taiga miterleben dürfen. Russland ist immer wieder eine Reise wert.











Dinner bei der Probe-Bootsfahrt auf der Elbe

im Zug nach Petersburg treffen wir eine Gruppe deutscher Jugendlicher die dort ihr FSJ machen wollen

in Petersburg besuchen wir Micha und Regina

Petersburg - das Venedig des Nordens

weiter geht es mit dem Zug nach Murmansk, natürlich im Platzkarty-Abteil

Zeit - in Russland Zug zu fahren heisst zu reisen..

..und jedem seinen Glücksbringer

Übersicht über unsere grob angepeilten Ziele auf der Halbinsel Kola

in Kirovsk bekommen wir gleich am Anfang unseres Sommerurlaubes Neuschnee zu sehen

Kirovsk - eine schöne Lage aber sonst..

mit dem Bus geht es von Kirovsk weiter nach Oktjabriskij

..langsam wackelt der Bus in Richtung Oktjabriskij - die letzte Zivilisation

mit dem Boot auf dem Wägelchen und zwei schweren Rucksäcken auf dem Rücken geht es zu Fuss weiter

noch ist die Strasse gut genug für russische Autos

irgendwann werden wir von diesem UAZ überholt - und natürlich auf unsere Frage hin auch mitgenommen

gemühtliches erstes Frühstück draussen in der Natur

im "Telegrafenamt" Kilometer 82 bin ich noch vom letzten Jahr bekannt

ja, und wann macht Schwamm endlich den Jagdschein?

weiter gehts von Kilometer 82 in Richtung Krasnoschelje mit einem KAMAZ

der KAMAZ soll diesen steckengebliebenen UAZ befreien - man hat sich in den letzten 3 Tagen eingerichtet

jetzt muss nur noch der Motor wieder funktionieren

auf der spannenden Fahrt zurück zu Kilometer 82 durch die herbstliche Taiga

eine wärmende Suppe im Wohnschlitten bei KM 82

heute Abend gibt es frischen Fisch

die Früchte der Tundra - Bärentraube

Kaffeeklatsch am Lovozero

Urlaub, Sommer, Sonnenbrand, ..

eine der vielen gemühtlichen und beheizbaren Hütten auf unserer Paddelstrecke

wir bekommen Besuch

welch ein Herbst - auf dem Lovozero

und zum Frühstück gibt es Müsli mit frischen Blaubeeren

der Wellengang zwingt uns ans Ufer

es gibt Fischsuppe

wir versuchen am Flughafen von Lovozero Informationen für Flüge auf der Halbinsel Kola herauszubekommen

eine AN-2 - das normale Verkehrsmittel hier

in Lovozero werden wir zum Geburtstag mit eingeladen - tanzen, essen und trinken bis das der Arzt kommt

Elena und Sascha geben uns Quartier in Lovozero

Sonnenaufgang über dem Lovozero

ein Buch aus längst vergangenen Zeiten - "hier lebte und arbeitete Lenin"

der erste Schnee überrascht uns auf dem Boot - und gerade jetzt finden wir keine Hütte

hier landen wir zu Stein gefroren an

Unterkunft gibt es diesmal in diesem Zelt

Abendstunden im Zelt

Eistreiben auf dem Lovosero beendet unsere Paddeltour

warten in Olenogorsk auf den Zug

ja, ja - irgendwo muss man ja den Rausch ausschlafen

Frühstück im schwedischen Paradies bei Åke

Murmansk - wer hat Lust auf eine Ruderpartie?!

der übergroße Soldat wacht über der Stadt am Kolafjord

Zugfahrt wieder zuück in den Süden

Reiseleben

wir haben für gute Verpflegung vorgesorgt

morgendliche Ausfahrt

wiedersehen mit Regina und Micha in Petersburg

mal wieder ein bequemes Bett

Petersburger U-Bahn

Schwamm - oder doch ein immigrierter Waldmensch?!

auch mir ist der Urlaub nicht abzuerkennen