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| aufgeschrieben von Christian Böttger | > Link zur Bildergalerie |
Dort angekommen, dass heißt kurz vor der Ukraine, ging es nun nach Süden nach Ungarn, wo wir in einer kurzen Durchfahrt die flache und heiße Pusta kennen lernten. Doch auch dort verblieben wir nicht ewig, denn es ging nach Rumänien in den Bezirk Satu Mare. Bis zu dieser Grenze hatten wir nun schon in 8 Tagen über 1050 km hinter uns gelassen, aber gerade einmal 50 DM benötigt. Doch das änderte sich an der rumänischen Grenze abrupt, da dieses Land ein Eintrittsgeld in Höhe ca. 40 DM pro Person verlangt. Aber was soll’s, denn ab hier begann schließlich erst der eigentlich interessante Teil unserer Radreise. Es gibt ja allerlei Gerüchte über Raub, Diebstahl und anderes in Rumänien. Doch so etwas ist uns auf unseren abgelegenen Routen niemals widerfahren. Jetzt heißt es Ziel auf den Süden zu nehmen und die nur geflickten Straßen auf die Gebirge zu meistern. Die Temperaturen steigen auf über 30°C. Wir werden langsamer und unsere Gelenke schreien gen Himmel, aber es macht einfach Spaß, durch dieses fast unbekannte Gelände zu radeln. Alles ist völlig anders als wir es kennen, es gibt keine Traktoren nur Pferde und Esel, es gibt keine Erdkabel sondern nur überladene Freileitungen und natürlich gibt es nur nette Menschen, die uns spontan zu einem Hausbesuch einladen. So passierte es, dass nachdem wir eine Limonade eingekauft und uns vor den Laden gesetzt hatten, die Besitzerin uns Gläser mit Eiswürfeln, Speckschwarten und Paprika brachte. Man kann sagen, hier fühlt man sich wohl. Nach 4 Tagen erreichten wir Sibiu (Hermannstadt), wo wir alte Familienbekannte treffen und besuchen wollen. Wir genießen die anderthalb Tage Pause und lassen uns durch die Stadt Sibiu und durch die Geschichte von ganz Siebenbürgen bzw. Rumänien führen. Das lässt die inneren Interessen an diesem Land größer werden und klärt so manchen Mißstand in unserem Wissen und Erlebten auf.
Nach Sibiu ging es von 500 m.ü.NN über den Transfagarachan auf über 2000 m.ü.NN zur Passhöhe des Karpatenbogens. Das heißt man fährt ca. 5 Stunden immer nur Schrittgeschwindigkeit um die 1500 Höhenmeter zu bezwingen. Aus den 35°C Temperatur in Sibiu wurden plötzlich 8°C bei Platzregen und Nebelbänken auf der Passhöhe. Nun hieß es, so schnell wie möglich wieder von der Höhe herunterkommen, um voranzukommen, denn in 350km ab Sibiu (Mittwoch) erwartete uns ein Grenzposten an der Grenze nach Bulgarien, der nur Mittwoch bis Freitag von 6-16 Uhr offen hatte. So hieß es so schnell wie möglich durch die absolut flache Donauebene an den Zigeunerwagen vorbei zu rasen. Solche echten meist zweistöckigen Zigeunerwagen geben schon ein schönes Bild, wenn sie durch die alten Alleen schaukeln, aber sie auf Papier zu bannen, war uns dann doch zu gefährlich, da bekannt ist, dass sie Geld verlangen könnten.
An der Donau erwartete uns ein Grenzposten mit Teleskop zur Grenzsicherung und richtigen Beamten, dann eine Personenfähre, wie auf der Elbe in Dresden, als Grenzfähre über den mehr als 1km breiten Fluss. Nun standen die Grenzformalitäten bevor, dass heißt Auspacken aller Taschen und genauste Analyse der Inhaltsgegenstände. Als ersten stark verdächtigen Gegenstand hielt er eine Tüte Maisgries gegen das Licht. Erst als eine zufällig anwesende Person dem Grenzer sagte, es sei etwas zum Essen, ließ er locker. Dann befand sich plötzlich mein Tschechischwörterbuch in seinen Händen und er fragte: “Bibel?“, die war natürlich zollfrei. Nach diesen beiden örtlichen Despoten ging es dann in Bulgarien weiter. Auch hier erwartete uns Armut und Gebirge. In Bulgarien geht es den Bewohnern noch schlechter als denen in R
umänien. Selbst die freie Marktwirtschaft hat hier fast gar nicht gegriffen. Aufgrund von Empfehlungen in Rumänien hatten wir unsere Route spontan etwas nach Osten verlegt, da im Gebiet um Sofia die Gefahr des Überfalls von Menschen aus dem nahen ehemaligen Jugoslawien sehr hoch war. Die Besiedlung wurde noch spärlicher und muslimischer, je weiter man nach Südosten kam, aber die Straßen wurden etwas besser, wahrscheinlich weil es deutlich weniger Autos gibt. Hier haben wir uns hauptsächlich von örtlichen Märkten ernährt, die alles vom Lande zu Top-Preisen boten. So hieß es jetzt immer Tomaten und Melonen essen.
Aber dann an der Grenze zum EU-Land Griechenland holte uns die Realität wieder zurück. Rücksichtslose Trucks und Autoraser zeigten ihre besten Seiten, wie auch die Hitze, die jetzt auf 40°C stieg. Bäume gibt es in Griechenland fast keine, so dass man sich nirgendwo unterstellen kann, um den Schatten zu genießen. Ebenso ist Griechenland bergig bis gebirgig. So ging es eher schleppend an Saloniki, dem Olymp, Meteora mit den berühmten Felsenklostern und dem Pindos sowie an Ioannina vorbei. Aber zum Glück gab es immer mal Pfirsichplantagen, wo man sich so richtig gütlich dran tun kann. Im Pindos, einem der höchsten Gebirge Griechenlands, standen wohl die einzigsten richtigen Bäume mit richtiger Wildnis. Wir hatten uns dort wahrscheinlich eine der schönsten Routen ausgesucht, wir fuhren quer durchs Gebirge auf einer sehr schmalen Schotterstraße. Auch sahen wir noch einen kleinen Flächenbrand im Gebirge, der am Morgen mit einem riesigen Löschflugzeug bekämpft wurde. Nach 3125 km standen wir plötzlich am Ionischen Meer und es hieß nur noch die Fähre erklimmen und wir stehen auf Korfu bei dem Quartier der Eltern. Trotz einer Radpanne 5 km vor dem Ziel um Mitternacht erreichten wir die Eltern noch vor unserem geplanten Zeitpunkt. Diese Reise hat uns zwar einige Nerven gekostet, aber wir haben viel neues gesehen und kennen gelernt, besonders den Ostblock lieben gelernt mit seiner Einfachheit aber trotzdem Erschlossenheit.
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in Tschechien gibt es komischerweise trotz Sonnenschein Überschwemmungen |
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kleine Massage für die Handgelenke |
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öffentliche Brunnen sind bei uns als Erfrischung immer willkommen |
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jetzt ist es selbst früh schon so warm, dass wir uns den Rücken bräunen können |
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langsam quälen wir uns den Transfagarchan hoch |
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Reifenpanne bei 40°C - ohne Schatten |
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die Felsenklöster von Meteora |
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